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Kulturpolitik im Ruhrgebiet am Beispiel Filmtheater

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IX) Revolution der Multiplexe?

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß durch die Eröffnung von MPe in Deutschland schon eine Art von Revolution stattgefunden hat: seit 1990 steigende Besucherzahlen, Modernisierungen von traditionellen Filmtheatern und die beschriebene Philosophie des MP; all dies hat zu einer umfassenden Veränderung in der Kino-branche geführt.

Ob diese Veränderungen allerdings in letzter Konsequenz begrüßt werden können ist sicherlich diskutierbar. Der wirtschaftliche Druck hat immerhin im ersten Halbjahr 1998 erstmals seit Jahren mehr Kinoschließungen als Neueröffnungen zur Folge gehabt. Auch die Zahl der Kinostandorte sank in diesem Halbjahr (insbesondere in Städten mit unter 20.000 Einwohnern).

Neuere Entwicklungen die vielleicht einen Beitrag zum Überleben der traditionellen Kinos leisten können sind das ”One-Dollar-Kino” und das Luxuskino:

Das ”One-Dollar-Kino” soll nicht-aktuelle Kinofilme und Filmklassiker zu einem geringeren Eintrittspreis um die fünf DM bieten. Hierzu eignen sich vor allem traditionelle Kinocenter, die auf mehreren Leinwänden verschiedene Filme anbieten können. Die Verleihmiete für diese Filme ist denn auch geringer als die der aktuellen Blockbuster, die unter Umständen auch schon nach kurzen Auswertungszeiten aus den Kinos verschwinden (”Titanic” war und ist die große Ausnahme).

Das Luxuskino ist ein Konzept, das zu einem höheren Eintrittspreis umfangreichen Service vom Parkservice über die Garderobe bis hin zur luxuriösen Einrichtung des Kinosaals mit Bar, Tischen und Bedienung sowie beste Ton- und Bildqualität auf großen Leinwänden bietet. Als Luxuskino lassen sich insbesondere alte Uraufführungskinos mit einem oder zwei Sälen (wie z.B. die Essener Lichtburg) umstrukturieren.

Der HDF erwartet weniger Investitionsruinen bei den MPe als vielmehr eine Konzentration des Kapitals; daß ”wie im Einzelhandel am Schluß Karstadt Hertie kauft.”[15] Wann die Sättigungsgrenze erreicht, läßt sich nicht schätzen, der Markt ist jedoch nicht unendlich aufteilbar, zumal das anvisierte Ziel , neue Besuchergruppen ins Kino zu ”locken” bislang nicht erreicht wurde. Der bundesdeutsche Durchschnitt von 1,7 Kinobesuchen pro Einwohner im Jahre 1997 ist im internationalen Vergleich eher mittelmäßig (bei Werten von z.B. 2,6 in Frankreich, 2,7 in Großbritannien oder 3,2 in Irland; ganz zu schweigen von 5,2 in den USA) wenngleich hier auch eine Steigerung erkennbar ist (1995: 1,52; 1996: 1,62).

Die oben beschriebenen neuen Entwicklungen und Konzepte könnten hier ansetzen und mit dem Luxuskino auch ein älteres Publikum ansprechen, das bisher gerade von den MPe als Hort der Jugendlichkeit und der jugendorientierten Freizeitkultur eher abgestoßen wurde. Somit würde ein nicht erreichtes Ziel der MP-Betreiber von den Betreibern der traditionellen Häuser verwirklicht.

Die deutschen MP-Betreiber werden ihre weitere Expansion verstärkt international ausrichten. Die Flebbe-Gruppe eröffnete 1998 bereits seine ersten MPe im europäischen Ausland.

  
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