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V) Overscreening
Wenn zu viele MPe in einer Region miteinander konkurrieren
spricht man von einem Overscreening. Eine grobe Faustregel besagt hier,
daß ein MP dann rentabel arbeiten kann, wenn in einem Einzugsgebiet von 20
km um das MP mindestens 300.000 Menschen wohnen, wobei Marktuntersuchungen
gezeigt haben, daß der Einzugsbereich teilweise auch über dieser
Entfernung liegen kann.
Ein solches Überangebot führt zu einem starken
Konkurrenzdruck, dem nicht jeder Mitbewerber standhalten kann. Experten gehen
davon aus, daß innerhalb der nächsten zwei Jahre das erste MP
schließen wird. Im Großraum Berlin könnten nach der Faustregel
15 MPe existieren, geplant sind 30. In Hamburg sollen derer 16 gebaut werden,
rentabel wären 10. In Magdeburg existieren zwei Multiplex-Theater für
280.000 Menschen.
VI) Chancen
MPe tragen am richtigen Standort wesentlich zur
Wiederbelebung bzw. Verbesserung der Attraktivität der Innenstädte
bei. Das Hauptanliegen der Kommunen an die ein Investor herantritt sollte somit
sein, den (für den Betreiber unter Umständen wg. geringeren
Grundstückspreisen und weniger Bauverordnungen durchaus attraktiveren)
Standort an der Peripherie zu vermeiden, da durch einen solchen Standort die
Verwaisung der Innenstädte weiter vorangetrieben wird. MPe und ihr
Ergänzungsangebot stellen schließlich auch außerhalb der
Ladenöffnungszeiten einen Anreiz für den Besuch der Zentren dar und
können so bei absteigenden oder abgestiegenen Stadtvierteln zu einer
Revitalisierung beitragen.
Auch aus wirtschaftlicher Sicht werden MPe
begrüßt. Schätzungen besagen, daß pro 100.000 DM
Freizeitumsatz ein Arbeitsplatz (wenn auch überwiegend im Teilzeitbereich)
entsteht.1997 machten die MPe hochgerechnet einen Jahresumsatz von über 256
Mio. DM aus.
Bei einer Investitionshöhe von 35 bis zu 100 Mio. DM
für ein MP erwartet man sicherlich auch positive Effekte für die
heimische Bauwirtschaft.
VII) Risiken
Das größte Risiko für die Kommunen besteht
sicherlich in den Folgen eines Overscreening. Ein MP kann aufgrund seiner sehr
speziellen, auf den Kinobetrieb ausgerichteten Architektur nur sehr schwerlich
und durch erhebliche Investitionen für andere Zwecke genutzt werden. Bei
aller Euphorie über das Interesse eines Investors und den Imagegewinn, den
ein MP sicherlich bietet, sollten sich die Kommunen auch fragen, ob das zur
Disposition stehende MP auch rentabel arbeiten kann. Auch die Bedrohung für
existente herkömmliche Filmtheater ist zu bedenken. Die Erhaltung dieser
gewachsenen Vielfalt muß ebenfalls ein Ziel auf dem Weg zu attraktiveren
Innenstädten sein.
Wie bereits erwähnt, sollte der Standort für das
MP sorgfältig gewählt sein. Ein MP an einem für die
Stadtentwicklung schädlichen Standort führt unweigerlich zu einer
Fragmentierung und Auflösung städtischer Strukturen. Durch die
Verminderung der Attraktivität der benachbarten Zentren kann deren Niveau
sinken und durch das Ausbleiben von Kundschaft die bestehenden
Einzelhandelsbetriebe in ihrer Entwicklung
beeinträchtigen.
Die Realisierung von MPe außerhalb größerer
Zentren führt auch zu einer Zunahme der Verkehrsströme. Von 100
MP-Besuchern in der Innenstadt reisen 65 mit dem PKW und 35 mit dem ÖPNV
an, bei den MPe ”auf der grünen Wiese” liegt der PKW-Anteil bei
90%.
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