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Kulturpolitik im Ruhrgebiet am Beispiel Filmtheater

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Das MP ist denn auch eher als eine Art Freizeitzentrum denn als Kino konzipiert: Der Film steht nicht mehr unbedingt im Mittelpunkt, er ist vielmehr Lockmittel für den Besuch. Viele verschiedene Einrichtungen im und um das MP herum sollen für Umsatz vor und nach dem Filmbesuch sorgen. ”Man kann Billard spielen oder in Kneipen gehen, man kann unendlich lange Rolltreppen fahren, man kann natürlich auch ins Kino gehen.”[9] Das Motto von Hans – Joachim Flebbe lautet: ”Das Publikum ist da, man muß ihm nur die richtigen Kinos bauen!”[10]

Die Einnahmen aus Nebengeschäften (Concessions) machen beispielsweise bei den MPe der Flebbe-Gruppe (Cinemaxx und Maxx) fast 20% des Gesamtumsatzes aus. Zitat: ”Cinema is O.K., but concessions are far more important. Film is just something to attract people, and then we are trying to sell them everything we can.”[11]

Hinzu kommen Einnahmen aus Werbung, die mit etwa 10% zu Buche schlagen. Der Kartenerlös macht somit 70% des Umsatzes aus, dem gegenüber stellt dieser Posten bei den traditionellen Kinos etwa 80% des Umsatzes dar. [12] Der HDF erwartet in Zukunft eine Verschiebung der Werbeeinnahmen von den traditionellen Filmtheatern in die MPe.

Der Eintrittspreis liegt bei den MPe höher als bei traditionellen Kinos. 1991 bezahlte man im Durchschnitt 10,04 DM für die MP-Karte und 8,17 DM für den Eintritt in einem traditionellen Kino. Diese Beträge stiegen bis 1995 auf 11,54 DM im MP und 9,51 DM im traditionellen Kino.[13] Daraus läßt sich schließen, daß die höheren Eintrittspreise (genauso wie die zum Teil erheblichen Parkplatzkosten) kein Hinderungsgrund für den Besuch des MP sind.

Das Filmprogramm in den MPe unterscheidet sich kaum von dem in den traditionellen Kinocentern. Die Technik ist jedoch auf dem modernsten Stand. Auch der Komfort der Säle und speziell der Sitze ist nicht mit den bekannten traditionellen Häusern zu vergleichen. ”Das räumliche Angebot ist vielfältig. Vom herkömmlichen Kinosaal bis zu Formen des Amphitheaters mit verführerischen Liegesitzen integrieren die MPe Lebenskultur und Filmlust. Das Kino... soll möglichst alle Bedürfnisse der Besucher durch ein gemischtes Raumkonzept befriedigen. Dazu dient nicht nur die Supertechnik für die Vorführung, das Spiel mit Licht und Ton und ästhetischer Wohlbefindlichkeit.”[14] Auch Sonderveranstaltungen werden in einem MP abgehalten. So bieten die MPe der Flebbe-Gruppe u.a. Live-Übertragungen von Kultur- und Sportveranstaltungen an und bietet die Kinosäle für Vorträge und Kongresse an. Das Cinemaxx Essen wurde beispielsweise von der Essener Universität für Vorlesungen genutzt.

Auch die teilweise ausladende und aufwendige (Außen- und Innen-) Architektur zumindest der MPe in den Innenstädten reiht sich in dieses Konzept ein. Die MPe ”auf der grünen Wiese”, sprich: auf Gewerbeflächen außerhalb der Städte, sind außen meist nicht so aufwendig gestaltet, da hier weniger Auflagen seitens der Kommunen gemacht werden.

Das reine Konkurrenzverhältnis traditionelle Filmtheater (und speziell Filmkunsttheater/Programmkinos) vs. Multiplexe wird zum Teil aufgebrochen. Da die MPe ein größtenteils mainstreamorientiertes Programm anbieten, werden die bestehenden Programmkinos eher weniger vom durch ein MP verursachten Besucherrückgang in Mitleidenschaft gezogen. In Dortmund gibt es beispielsweise eine Kooperation zwischen dem MP (CineStar, Betreiber: Kieft) und den Programmkinos (Roxy und Kamera), die aus Werbung und Programmhinweisen für das jeweilig andere Kino besteht.

  
How to Do Things with Art: Zur Bedeutsamkeit der Performativität von Kunst
von Dorothea von Hantelmann
Siehe auch:
In der weißen Zelle: Inside the Withe Cube
Die Ausstellung: Politik eines Rituals
Zur Theorie der Sprechakte: (How to do things w...
Sonstige Artikel:
Der Körper des Menschen: Einführung in Bau und Funktion
 
   
 
     
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