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Kulturpolitik im Ruhrgebiet am Beispiel Filmtheater

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Zur Indexberechnung: Die Indexberechnung wurde für die Darstellung der Besucherschwankungen notwendig, da einige Filmtheaterbetreiber mit der Ver-öffentlichung der exakten Besucherzahlen nicht einverstanden sind. Dem Jahr 1989 wurde hier der Index 100 zugewiesen, da dies das letzte Kalenderjahr ohne MP war.

Hier ist besonders auffällig, daß im Raum Bochum mit dem 1991 eröffneten MP der Firma UCI der Index (neben dem höchsten Wert von 268 im Jahre 1993) 1996 den Wert 235 erreichte, die Kinobesucherzahl in MPe und Umfeldkinos zusammen sich also seit 1989 mehr als verdoppelt hat (auch im ersten Jahr (1991) erreichte der Index hier direkt den Wert 215). Davon entfielen über 70% der Besucher auf das MP, der Index für die Umfeldkinos erreichte 1996 den Wert 67. Dennoch hat hier bislang kein Kino geschlossen (das Union – Filmtheater wird wohl jedoch in diesem Jahr aufgegeben).


Unter der hypothetischen Annahme daß sich der Kinobesuch in den Multiplexregionen ohne MP entsprechend dem Besuch in den Nicht-Multiplexregionen entwickelt hätte, läßt sich unter Verwendung der Indexberechnung ein theoretischer Multiplexeffekt berechnen. Dies wurde für die MPe der ersten Generation durchgeführt, wobei außer Acht gelassen wurde, daß nach 1991 einige der Nicht-Multiplexregionen zu Multiplexregionen wurden. Andere Effekte, wie zum Beispiel die Modernisierungen von traditionellen Kinos im Zuge des Erfolges der MPe und den Attraktivitätszugewinn daraus[7], wurden ebenfalls nicht berücksichtigt. Die tatsächlichen Zahlen sind also vermutlich höher, aber es ergeben sich in den Jahren 1992 und 1993 jeweils hypothetische 63% Mehrbesucher durch die MPe. In den Jahren 1994 und 1995 sind es immerhin auch noch jeweils 52%.[8]

Man weiß allerdings auch, daß hier nur wenige bisherige Nicht-Kinogänger ins Kino gezogen wurden. Vielmehr erhöhte sich die Besuchsfrequenz des einzelnen Kinogängers, sowie die Zahl der ”Heavy-User”, die mindestens einmal pro Woche ins Kino gehen. Ein erklärtes Ziel der MP-Betreiber, neue Bevölkerungsgruppen für das Kino zu erschließen, wurde also nicht erreicht.


IV) Multiplex-Philosophie

Zwischen 1980 und 1990 verloren die bundesdeutschen Kinos ca. 29% ihrer Be-sucher. Die daraus folgenden Umsatzeinbußen wurden durch eine Eintrittspreis-erhöhung von 29% auf einen Nettoverlust (nach Abzug von Mehrwertsteuer, Filmmiete sowie Filmabgabe and die FFA) von 8,5% begrenzt. Dieser Verlust wurde durch eine Steigerung bei den Nebeneinkünften (Verkauf von Getränken, Süßigkeiten, Eis, Popcorn u.ä.) zum Teil kompensiert. Somit sind diese Nebeneinnahmen schon bei den traditionellen Kinos ein wichtiger Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg. Der Stellenwert von Nebeneinkünften ist bei den MPen noch größer.

Das MP ist denn auch eher als eine Art Freizeitzentrum denn als Kino konzipiert: Der Film steht nicht mehr unbedingt im Mittelpunkt, er ist vielmehr Lockmittel für den Besuch. Viele verschiedene Einrichtungen im und um das MP herum sollen für Umsatz vor und nach dem Filmbesuch sorgen. ”Man kann Billard spielen oder in Kneipen gehen, man kann unendlich lange Rolltreppen fahren, man kann natürlich auch ins Kino gehen.”[9] Das Motto von Hans – Joachim Flebbe lautet: ”Das Publikum ist da, man muß ihm nur die richtigen Kinos bauen!”[10]
  
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